Die Herausforderung der Porträtfotografie liegt darin, das Wesen einer Person in einem einzigen Bild sichtbar zu machen. Gute Porträtaufnahmen sind also nicht nur technisch einwandfrei, sondern wirken auch lebendig und authentisch. In diesem Blogpost geben wir dir ein paar Tipps, wie du die individuelle Aura eines Menschen in einem ausdrucksstarken Bild einfangen kannst.
Die Portraitfotografie hat sich im Lauf ihrer Geschichte stark gewandelt. Früher ging es vor allem darum, Menschen in formellen Posen und unter perfekten Lichtverhältnissen darzustellen. Wir Fotograf*innen von heute sind mehr auf der Suche nach der wahren Persönlichkeit eines Menschen, den wir unverkrampft und ehrlich darstellen wollen. Authentizität ist also die wichtigste Eigenschaft einer guten Porträtaufnahme. Hier sind einige Schritte, wie du dies erreichen kannst:
Mit dem gezielten Einsatz von natürlichem Licht kann man die Wirkung eines Porträtfotos ganz erheblich beeinflussen. Dazu muss man aber verstehen, wie natürliches Licht die Atmosphäre eines Fotos beeinflussen kann.
a) Tageslicht im Freien: Wenn du im Freien arbeitest, bietet das natürliche Licht interessante Gestaltungsmöglichkeiten für Porträts. Das Sonnenlicht in den Morgen- und Abendstunden verbreitet eine weiche, goldene Atmosphäre, die die Hauttöne deines Models vorteilhaft betonen kann. Experimentiere mit verschiedenen Tageszeiten, um herauszufinden, welches Licht am besten zu deinem Stil passt.

b) Innenbeleuchtung: In Innenräumen kann man durch die Platzierung des Models an Fenstern oder Türen als Lichtquellen beeindruckende Ergebnisse erzielen. Denn das hier einfallende Licht kann interessante Schatten und Reflexionen erzeugen. Wenn du künstliche Beleuchtung verwendest, versuche, weiche Lichtquellen wie Studioblitze mit Diffusoren zu verwenden, um harte Schatten zu vermeiden.

c) Goldene Stunde und Blaue Stunde: Zur sogenannten “Goldenen Stunde” kurz nach Sonnenaufgang/Sonnenuntergang sowie zur "Blauen Stunde” kurz vor Sonnenaufgang/nach Sonnenuntergang ist das Licht besonders weich und stimmungsvoll. Diese Zeitfenster bieten darum die beste Gelegenheit, einen Hauch von Magie in ein Porträtfoto zu zaubern.

Mit einer leistungsstarken Studiobeleuchtung lassen sich ganz gezielt Licht- und Schatteneffekte erzeugen. Hier ein paar Tipps für ihren effektiven Einsatz:
a) Lichtquellen und Lichtformer: Experimentiere mit verschiedenen Methoden der Studiobeleuchtung, von Softboxen über Beauty-Dishes bis hin zu Studioblitzgeräten. Probiere aus, wie verschiedene Lichtformer das Licht streuen und formen, um sanfte oder dramatische Effekte zu erzeugen.

b) Die Rolle des Hauptlichts: Entwickle ein Gespür dafür, wie du mit dem Hauptlicht die Konturen und Züge eines Gesichts betonen kannst: Verschiedene Intensitäten und Einfallswinkel des Hauptlichts haben ganz unterschiedliche Effekte.

c) Fülllicht und Hintergrundbeleuchtung: Fülllicht wird verwendet, um Schatten abzumildern und das Gesicht gleichmäßiger auszuleuchten. Probiere aus, wie die Hintergrundbeleuchtung das Model vom Hintergrund abheben kann, um so einen ästhetischen Tiefeneffekt zu erzeugen.

d) Kreatives Spiel mit Licht und Schatten: Wenn du die Grundlagen beherrscht, probiere fortgeschrittene Techniken aus, wie z.B. Low-Key- und High-Key-Beleuchtung, um dramatische Kontraste oder zarte, fast schattenlose Porträts zu gestalten. So lassen sich Tiefe und Struktur eines Porträts variieren.

e) Farbtemperatur und Stimmung: Auch die Farbtemperatur in der Studiobeleuchtung beeinflusst die Stimmung, die in einem Porträt zum Ausdruck kommt. Man kann auch “warme” und “kühle” Lichtquellen kombinieren, um besondere Effekte zu erzielen.

Anders als beim natürlichen Tageslicht, behältst du beim Einsatz von Studiobeleuchtung die vollständige Kontrolle über das Licht in deinen Porträtfotos. Eine entsprechende Ausstattung und deren sichere Bedienung eröffnet dir viele kreative Möglichkeiten, um deine Models im wahrsten Wortsinn ins beste Licht zu rücken.
Neben den technischen und handwerklichen Kniffen kommt es bei authentischen Porträt vor allem auf eine entspannte Atmosphäre bei den Aufnahmen an. Du solltest also zunächst ein Umfeld schaffen, in dem sich dein Model wohl fühlt, um sich ganz unverkrampft zeigen zu können.
a) Kommunikation und Vertrauen: Baue eine persönliche Verbindung zu deinem Model auf. Stellt euch einander vor, macht ein bisschen Smalltalk und sprecht ab, wie Ihr euch die Aufnahmen vorstellt. Wenn du dann den Finger am Auslöser hast, sollte sich dein Model entspannt und sicher fühlen.
b) Die Wahl des Ortes: Wähle einen Ort, an dem sich dein Modell wohl fühlt und der zu seinem Charakter passt. Dies kann ein Park, ein Café, ein Studio oder sogar sein eigenes Zuhause sein. Ein vertrautes Umfeld als Hintergrund verstärkt die Authentizität eines Porträts.
c) Geduld und Pausen: Die besten authentischen Momente passieren oft zwischen den Posen. Lasse deinem Model Zeit, sich zu bewegen und sich anzupassen. Nutze die Pausen, um Gespräche zu führen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.
Das Einfangen eines authentischen Gesichtsausdrucks erfordert Geduld, Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, den perfekten Augenblick zu erkennen. Hier sind einige Techniken, die dir dabei helfen können:

a) Aufmerksam beobachten: Studiere dein Model aufmerksam. Achte auf seine Gesichtszüge, die Art, wie es spricht und sich bewegt, und auf die subtilen Veränderungen im Ausdruck. Wann kommt in der Mimik ein Wesenszug zum Ausdruck? Das kann ein fröhliches Lachen, ein nachdenklicher Blick, aber auch eine scheinbar ganz beiläufige Geste sein.
b) Kommunikation ohne Worte: Oft zeigt dein Model ganz spontan den besten und authentischsten Ausdruck, wenn es sich kurz unbeobachtet fühlt. Versuche, während des Shootings nicht zu viel zu reden, sondern beobachte still und halte die Kamera bereit, um vielleicht einen dieser besonderen Momente einzufangen.
c) Serienaufnahmen: Statt dich auf den einen perfekten Schuss zu konzentrieren, mache Serienaufnahmen. In einer Bilderserie dokumentierst du die Veränderungen im Gesichtsausdruck deines Models. Oft sind es die Bilder zwischen zwei Posen, die die authentischsten Ausdrücke zeigen.
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Lebendige und authentische Porträts sind das Ergebnis sorgfältiger Planung, einer entspannten Atmosphäre und eines geschulten Blicks für besondere Momente. Nutze natürliches Licht oder Studiobeleuchtung, schaffe eine vertrauensvolle Atmosphäre und sei auch zwischen den Bildern aufmerksam. Und natürlich: Üben, üben, üben! Mit der Zeit werden dir immer bessere Porträts gelingen, die nicht nur das Äußere eines Menschen zeigen, sondern auch einen Blick in seine Seele gewähren.
Für natürliche Porträts ist eine Kamera mit einem lichtstarken Objektiv ideal. Aber denke daran, dass die Ausrüstung nur ein Werkzeug ist. Die Kenntnis der Lichtverhältnisse und die Beziehung zu deinem Modell sind genauso wichtig.
Sei kommunikativ: Schaffe eine lockere Atmosphäre, führe Gespräche und sei geduldig. Lass dein Modell wissen, dass es keine perfekten Posen oder Ausdrücke gibt und dass Authentizität das Wichtigste ist.
Übung macht den Meister. Beobachte dein Modell aufmerksam, lerne seine Gewohnheiten kennen und sei bereit, spontane Momente festzuhalten. Mit der Zeit wirst du ein Gespür für den perfekten Ausdruck entwickeln und wie man ihn einfängt.
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