Mit Fotografie kannst du besondere Momente einfangen, Emotionen wecken und spannende Geschichten in Bildern erzählen. Kreative Fotos berühren uns, erweitern unseren Blickwinkel, zeigen das Leben aus ungewöhnlichem Blickwinkel und verändern unsere Sicht auf die Welt. Hier geben wir dir ein paar Tipps, mit denen du deine fotografischen Fähigkeiten weiterentwickeln kannst. Sie werden dir dabei helfen, Bilder zu schießen, die nicht nur technisch gut, sondern auch optisch ansprechend sind.
In der Fotografie geht es nicht nur darum, etwas zu sehen, sondern darum, das Wesentliche eines Motivs zu erkennen. Denn erst dieses visuelle Bewusstsein ermöglicht es uns, einen Blick für interessante Motive, stimmungsvolle Lichtverhältnisse und spannende Kompositionen zu entwickeln. Ohne visuelles Bewusstsein könnten wir die Möglichkeiten der Fotografie nicht voll ausschöpfen. Dieser “Kamera-Blick” befähigt uns, auch jenseits des Offensichtlichen die fotografischen Darstellungsmöglichkeiten eines Motivs zu erfassen. Es geht also darum, ein Gespür für die verborgene Schönheit unserer Umgebung zu entwickeln.

Visuelles Bewusstsein ist nicht etwa eine besondere künstlerische Begabung, sondern lässt sich üben - nämlich durch das bewusste Beobachten der Welt um uns herum. Nimm dir täglich etwas Zeit, um deine Umgebung mit offenen Augen wahrzunehmen und zu analysieren, was dich visuell anspricht. Notiere oder merke dir, was dich an bestimmten Szenen, Objekten oder Lichtverhältnissen fasziniert. Mit der Zeit wirst du Muster in deinen Vorlieben erkennen. Auf diese Weise kannst du ein Gespür dafür bekommen, was dich als Fotograf bewegt. Das ist ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung einer eigenen Bildersprache. Ein gutes Beispiel für hervorragendes visuelles Bewusstsein sind die Bilder des US-amerikanischen Fotografen (1902-1984) Ansel Adams. Seine Fähigkeit, die subtilen Nuancen von Licht und Schatten zu erkennen und in seinen Fotografien zu verwenden, war außergewöhnlich und machte viele seiner Bilder zu wahren Kunstwerken.
Ein wesentlicher Faktor für die optische Wirkung eines Fotos auf den Betrachter ist eine gekonnte Bildkomposition. Denn erst sie lenkt den Blick des Betrachters sofort auf das Wesentliche.
Es gibt mehrere Grundregeln der Bildkomposition, die dabei helfen, visuell ausgewogene und ansprechende Bilder zu erstellen. Dazu gehören die Drittelregel, der Goldene Schnitt und der Einsatz von Linien und Formen.
Die Drittelregel besagt, dass ein Bild durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien, die sich gleichmäßig über das Bild verteilen, in neun gleich große viereckige Felder unterteilt wird. Das Motiv bzw. Hauptmotiv sollte entlang einer dieser Linien oder an ihren Kreuzungspunkten platziert werden.
Eine weitere Gestaltungsregel ist der Goldene Schnitt. Sie wird auch in Kunst, Architektur und Design angewandt. Sie besagt, dass das Teilungsverhältnis einer Strecke oder einer anderen Größe bei 1:1,618 liegen sollte, weil dies von vielen Menschen als besonders harmonisch empfunden wird. In der Fotografie kann das Prinzip des goldenen Schnitts dazu verwendet werden, das Motiv vorteilhaft zu positionieren und das Bild zu strukturieren.
Linien und Formen können gezielt genutzt werden, um den Blick des Betrachters durch das Bild zu führen oder bestimmte Aspekte des Bildes hervorzuheben.

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Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Anwendung der Drittelregel ist das berühmte Foto Migrant Mother von Dorothea Lange. Sie platzierte die Augen der Mutter entlang der oberen horizontalen Linie und lenkt damit die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf den Blick der Frau.

Der Goldene Schnitt ist in vielen Landschaftsfotografien von Ansel Adams zu sehen. Adams nutzte dieses Verhältnis, um den Blickpunkt in seinen Bildern zu bestimmen und jene Harmonie und Ausgewogenheit zu schaffen, die seine Bilder so ikonisch gemacht haben.
Obwohl diese Regeln hilfreiche Leitlinien für die Bildkomposition sind, kann manchmal gerade ihre Nichtbeachtung besonders effektvoll bei der Bildgestaltung sein. Zum Beispiel kann eine Porträtaufnahme, bei der das Gesicht in der Mitte des Bildes platziert wird (anstatt der Drittelregel zu folgen), ein Gefühl von Direktheit und Verbindung zum Betrachter schaffen. Letztendlich geht es bei der Fotografie, wie bei jeder kreativen Ausdrucksform, darum, unsere individuelle Sicht auf die Welt darzustellen. Und manchmal bedeutet das eben auch, Regeln zu brechen.

Weiterhin hat die Wahl des Objektivs erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild eines Bildes. Man unterscheidet im Wesentlichen Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektive. Weitwinkelobjektive haben eine kurze Brennweite und bieten ein breites Sichtfeld, was sie ideal für Landschafts- und Architekturfotografie macht. Normalobjektive haben eine Brennweite, die dem menschlichen Auge ähnlich ist, und eignen sich besonders für Porträts und Alltagsaufnahmen. Teleobjektive haben eine lange Brennweite und vergrößern weit entfernte Motive, was sie zum Beispiel ideal für Sport- und Wildtierfotografie macht.
Blende, Verschlusszeit und ISO sind die drei wichtigsten Belichtungseinstellungen in der Fotografie. Ihr Zusammenspiel bestimmt ganz erheblich Belichtung und Aussehen eines Bildes.
Die Blende ist eine Öffnung in deinem Objektiv, die bestimmt, wie viel Licht in deine Kamera gelangt. Eine große Blende (kleine f-Zahl) lässt viel Licht herein und erzeugt eine geringe Tiefenschärfe, während eine kleine Blende (große f-Zahl) weniger Licht herein lässt und eine größere Tiefenschärfe erzeugt.
Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Kamerasensor dem Licht ausgesetzt ist. Eine kurze Verschlusszeit “friert” ein bewegtes Objekt, wie zum Beispiel einen spritzenden Wassertropfen, ein und lässt es scharf erscheinen, während eine lange Verschlusszeit bewegte Objekte unscharf erscheinen lässt (“Bewegungsunschärfe”). Beides kann reizvoll sein.
Der ISO-Wert bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors. Ein hoher ISO-Wert macht den Kamerasensor lichtempfindlicher. Das kann bei wenig Umgebungslicht, zum Beispiel in geschlossenen Räumen, sinnvoll und hilfreich sein, wenn man dennoch die Verschlusszeit kurz halten möchte. Dabei ist aber zu beachten, dass hohe ISO-Werte leicht zu “Bildrauschen” führen können.
Für actionreiche Szenen, wie Sport oder Wildlife, ist eine schnelle Verschlusszeit erforderlich, um die Bewegung im Bild “einzufrieren”. In dunkleren Umgebungen benötigt man möglicherweise einen höheren ISO-Wert, um eine korrekte Belichtung zu erreichen. Bei Porträts sollte man eine möglichst große Blende wählen, um einen unscharfen Hintergrund zu erzeugen und das Gesicht der/des Porträtierten so hervorzuheben.


@ Joseffson / Westend61 (li.), Roman Märzinger / Westend61 (re.)
Licht ist - außerhalb der Kamera - die wichtigste Zutat für ein Foto. Nicht umsonst wird Fotografie auch als “Malen mit Licht” bezeichnet. Es geht für den Fotografen also darum, das verfügbare Licht möglichst gut für die Bildgestaltung zu nutzen. Denn das Licht kann Atmosphäre, Emotionalität und Botschaft eines Bildes ganz wesentlich beeinflussen.

Das Licht kann sanft und diffus sein, was ein sanftes und romantisches Gefühl erzeugt, oder hart und direkt, was zu starken Schatten und einem dramatischen Look führt. Ansel Adams war ein Meister der Nutzung von Licht und Schatten, als er seine faszinierenden Landschaftsaufnahmen erschuf (s. Video oben).
Wenn das Licht hart und unangenehm ist, versuche, im Schatten zu fotografieren oder nutze einen Reflektor, um harte Schatten aufzuweichen. In Situationen mit wenig Licht kann ein Stativ dabei helfen, Verwacklungen zu vermeiden und auch bei langen Belichtungszeiten und niedrigem ISO-Wert korrekt zu belichten.
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Die abschließende Bildbearbeitung ist ein wichtiger Teil des fotografischen Prozesses. Denn mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm lassen sich die Fotos, so wie sie aus der Kamera kommen, oftmals noch ganz erheblich verbessern.
Es gibt eine Vielzahl von Bildbearbeitungsprogrammen, von denen Adobe Lightroom und Photoshop zu den bekanntesten gehören. Diese Programme bieten eine Vielzahl von Werkzeugen, mit denen du die Belichtung, Farbe, Schärfe und viele andere Aspekte deines Bildes anpassen kannst. Sie sind aber keine “Zauberkästen”, mit denen sich etwa gravierende handwerkliche Mängel beim Shooting (ungewollte Unschärfen, Unter- oder Überbelichtung etc.) ausgleichen lassen. Sie können nur ihre volle Wirkung entfalten, wenn das Ausgangsbild gut ist - und wenn man sich ausreichend mit dem Programm und seinen Tools und Möglichkeiten vertraut gemacht hat.
Einige der grundlegenden Bearbeitungstechniken, die jeder Fotograf kennen sollte, sind Zuschneiden, Anpassen der Belichtung und der Farben sowie das Schärfen und die Rauschreduzierung. Weitere wichtige Werkzeuge sind die Regler für Weißabgleich und Tonwertkorrektur.
Bearbeitungstechniken sind unerlässlich, um das volle visuelle Potenzial deines Bildes auszuschöpfen. Denn mit der richtigen Bearbeitung kann ein gutes Bild fast zu einem Kunstwerk werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der britische Fotograf Nick Brandt, der seine Wildtierfotografien in Schwarzweiß konvertiert und fein abstimmt, um Tiefe und Emotionalität zu erzeugen.
Wenn die Arbeit getan ist und wir mit dem Ergebnis zufrieden sind, wollen wir unser fertiges Bild anderen Menschen zeigen, um Feedback zu erhalten. Eine ansprechende Präsentation trägt dazu bei, die eigene Sichtbarkeit als Fotograf zu erhöhen und auf diese Weise bekannter zu werden. Jetzt können wir mit unseren Bildern eine Geschichte erzählen und in Interaktion mit dem Publikum treten. Die Rückmeldungen, die wir dabei erhalten, sind Ansporn und Inspiration zur Weiterentwicklung.
Ein effektiver Weg, deine Bilder zu präsentieren, ist die Erstellung eines Portfolios, das deine besten Arbeiten zeigt. Achte darauf, dass deine Bilder gut gedruckt oder auf einem hochwertigen Monitor angezeigt werden, um sie voll zur Geltung zu bringen. Darüber hinaus kann die Nutzung von Social-Media-Plattformen wie Instagram eine großartige Möglichkeit sein, deine Arbeit mit einem größeren Publikum zu teilen.
Kreative Fotografie ist eine unendliche Reise, denn das Lernen und Entdecken hört nie auf, wenn man am Ball bleibt. Den “fertigen” Fotografen gibt es nicht! Aber wer über das erforderliche Maß an technischem Wissen, gepaart mit “kreativem Sehen” verfügt, und diese beiden Fähigkeiten stetig weiterentwickelt, wird bald stärkere und eindrucksvollere Bilder schießen.
Egal, wo du als Fotograf gerade stehst: Vergiss nie, dass jedes Foto eine Chance ist, deine Fähigkeiten zu verbessern und deine kreative Vision zu schärfen. Und sei vor allem nicht entmutigt, wenn nicht jedes Bild ein Meisterwerk wird. Übung macht den Meister: Jede Aufnahme bringt dich einen Schritt näher an das Bild, das du im Kopf hast. Also, greif zur Kamera, geh raus und fang an, die Welt durch deine Linse zu entdecken. Deine fotografische Reise hat gerade erst begonnen.
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